Deutsche Fassung | English Version

1. Ziel des Leitfadens

Ziel dieses Papiers soll sein, eine Handreichung für die Inhalte der Steinbildhauerausbildung in Simbabwe zu bieten.
    Zum einen soll es ein Leitfaden für den ausbildenden Meister (M.) sein. Hier kann er sich vor, während und zum Ende der Ausbildung inhaltlich orientieren und Antworten auf die folgenden Fragen finden:

  • Welche Kenntnisse und Fertigkeiten sollte ich meinem Auszubildenden vermitteln?
  • Wo liegen die Schwerpunkte der Ausbildung?
  • Was ist in der Theorie wichtig, was in der Praxis?

Gleiches gilt für den Auszubildenden (A.):

  • Was ist für mich als Lernender der Steinbildhauerei in Simbabwe wichtig?
  • Welche Teile meines Berufsfeldes habe ich bereits gelernt, was fehlt?
  • Was ist theoretisch, was praktisch notwendig?

Antworten können M. und A. im Leitfaden finden. Anschließend können sie mit dem Anschließend können sie - im besten Fall - in einen Zeitplan umgesetzt werden.

2. Berufsbild des Steinbildhauers in Simbabwe

2.1 Tradition

Der Name »Simbabwe« heißt »Hausa aus Stein«. Benannt ist das Land nach den Großen Simbabwe Monumenten, einer Stadt, die vom Volk der Rozvi aus kleinen Granitblöcken gebaut wurde. Das Monument gilt als eines der besten in ganz Afrika und ist ein großartiges Beispiel für die Steinmetzkunst. Sechs steinerne Vögel, die vom Gumanye-Volk, das auch Shona spricht, gebaut wurden, wurden im Osten der archäologischen Stätte gefunden. Die gesamte Stadt wurde im späten Eisenzeitalter, im 11. Jh.n.Chr. erbaut und hielt sich bis ins 15. Jahrhundert.
    Der Steinbildhauer in Simbabwe steht in der weltweit bekannten Tradition der Shona-Künstler. Von Tom Blomefield in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angeregt, findet sich bis heute im Zentrum in Tengenenge als auch in vielen anderen Orten Simbabwes eine sehr große Zahl von bildhauerisch tätigen Künstlern. Diese Bildhauerkultur ist in Afrika einzigartig und zugleich in der ganzen Welt geschätzt und begehrt.
    Bekannte Künstler der ersten Generation sind u. a. Henry Munyaradzi, Bernard Matemera, Edward Chiwawa und Nicholas Mukomberanwa. Zur zweiten Generation zählen vor allem die Söhne von Henry Munyaradzi, Mike M., und Nicholas Mukomberanwa, Lawrence M.
    Unter den weiblichen Bildhauern dieser zweiten Generation ist vor allem Colleen Madamombe zu nennen, die sich der Künstlergruppe um Munyaradzi angeschlossen hat.
    Typisch für die dort ansässige Bildhauerei sind Arbeiten vor allem im schwarzgrauen Springstone sowie in zahlreichen anderen teils sehr bunten heimischen Gesteinsarten.
    Dargestellt werden menschliche Köpfe, Personen, Tiere, teils naturalistisch, teils verfremdet, sowie abstrakte Formgebungen. Die ureigene Formensprache der Shona-Bildhauerei ist nicht vergleichbar mit westlicher oder fernöstlicher Bildhauerkultur.

2.2 Tätigkeit

Die Bildhauer Simbabwes schließen sich häufig Zentren an, in denen sie wirken und arbeiten. Diese Zentren bieten den selbstständigen Künstlern einen Platz zum Arbeiten, aber auch eine Präsentationsfläche für ihre Ausstellungsstücke.
    Die Bezirke der einzelnen Bildhauer sind dabei getrennt. Jeder arbeitet für sich. Ihre Tätigkeit ist in der Regel frei und weniger auftragsbezogen. Innerhalb der Shona-Tradition haben die Bildhauer verschiedene Stile und individuelle Ausrichtungen entwickelt.
    Verwendet werden zumeist Gesteinsbrocken dort heimischer Gesteinsarten. Diese werden genau besichtigt, um daraufhin die Gestaltung zu planen. Die Entwicklung einer Skulptur geht somit zumeist vom Stein aus und nicht von einem Entwurfsmodell oder einer rein gedanklichen Idee.
    Dabei werden häufig natürliche Gesteinsoberflächen mit gestalteten kombiniert. So entsteht mitunter die Anmutung eines bereits von vornherein im Stein bestehenden Objekts.
    Die wirtschaftliche Situation der Bildhauer erlaubt es normalerweise zudem auch nicht, zugesägte Steine bestimmter Maße im Steinbruch zu bestellen und zu erwerben.

2.3 Anforderungsprofil

Im Zuge der Ausbildung zum Steinbildhauer gilt es eine Fülle von Fertigkeiten und Kenntnissen zu erwerben, um technisch, künstlerisch und wirtschaftlich neben den Kollegen heute und vor allem auch in der Zukunft bestehen zu können.
    Grundsätzlich hat ein A. zunächst die Anforderungen des Berufslebens überhaupt (Durchhaltevermögen, Leistungswillen, Zuverlässigkeit, Ordnung u. a. m.) zu erlernen. Das gilt für jegliche berufliche Tätigkeit und eben auch für die Bildhauerei.
    Technisch sollte der Ausgebildete in der Lage sein, Steine aus Simbabwe von ihrer Ästhetik und Einsetzbarkeit zu kennen. Er soll sie bildhauerisch mit handwerklichen und maschinellen Werkzeugen bearbeiten können.
Künstlerisch sollte die Shona-Tradition mitsamt ihren wichtigen Vertretern und Stilrichtungen bekannt sein. Die Grundlagen der Gestaltung sollten dem A. geläufig sein. Formgefühl sollte theoretisch wie praktisch eingeübt sein.    
    Der ausgebildete Steinbildhauer sollte in seiner Arbeitsweise wirtschaftlich sein. Zudem sollte er Vorstellungen davon gewonnen haben, wie für ihn mit seinen jeweils eigenen Fähigkeiten wirtschaftlich sinnvolle Bildhauerei in Simbabwe möglich ist.
    Letztlich sollte so der ausgebildete Steinbildhauer seinen Platz in der Kunstszene des Landes finden und behaupten. Seine Arbeiten sollten neben denen der Kollegen bestehen können und darüber hinaus perspektivisch ihren eigenen Stil haben. Das erfordert spezifische Fertigkeiten und Kenntnisse.

3. Fertigkeiten und Kenntnisse

3.1 Allgemein

Der A. verpflichtet sich, für die Dauer der Ausbildung bei seinem M. und für seinen M. tätig zu sein. Er soll in dieser Zeit lernen, dieser Pflicht täglich nachzukommen, auch wenn es anstrengende und unangenehme Zeiten gibt.
    Der A. soll Sorgfalt im Umgang mit Steinen und Werkzeugen erlernen. Die natürlichenSteine sowie das teure Werkzeug sind schwer zugängliche Voraussetzungen für diebildhauerische Arbeit und verdienen entsprechend Wertschätzung.
    So erfordert die handwerkliche und künstlerische Tätigkeit auch Ordnung. Das betrifft sowohl den Arbeitsplatz, Steine, Werkzeuge, Maschinen, aber auch die Herangehensweise bei Gestaltung und Umsetzung.
    Darüber hinaus sollte der A. alle Formen der Kreativität, die in ihm stecken, beachten, entwickeln und einsetzen lernen.

3.2 Das Erstellen eines bildhauerischen Objekts

Um die besten Resultate zu erzielen, sollte der Auszubildende versuchen, Abbilder von Dingen die ihn selbst interessieren zu erstellen. Auf diese Weise kann er sich selbst eine angenehme Umgebung schaffen und die dadurch erzeugte Stimmung wird ihm helfen, die besten Steinskulpturen herzustellen.

3.2.1 Vorbereitende Arbeiten
Der A. soll eine Vorstellung davon gewinnen, welche Möglichkeiten er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hat. Das gilt sowohl für die Steinmittel als auch in technischer und künstlerischer Hinsicht.

3.2.1.1 Steinabbau
Zu Beginn eines Projektes muss der A. lernen den Stein abzubauen. Aufgrund verschiedener Umstände leben etwa 50% aller Steinbildhauer in ländlichen Gegenden, wo sie ihre Steine selber abbauen müssen. Erst vor knapp 30 Jahren entstanden überhaupt die ersten registrierten Minen, die Steinbildhauer versorgten. Trotzdem werden in knapp 90% dieser Minen bis heute keine Maschinen verwendet, sodass die Steine per Hand und langsam abgetragen werden. Manchmal ist der benötigte Stein nicht vorhanden. Die Abbau-Techniken sollen dem Steinbildhauer helfen diesen Stein dann selbst abzubauen, wenn er ihn braucht.

3.2.1.2 Werkzeugherstellung und Improvisation
Im Moment gibt es mehr als 1500 Steinbildhauer in Simbabwe. Allerdings gibt es keinen Laden, in dem man die entsprechenden Werkzeuge erwerben kann. Also muss der A. lernen, diese selber herzustellen, zum Beispiel:

  • Maurerhammer
  • Stahlschläger
  • Feilen, um den Stahl zu schleifen
  • Holz-Meißel für weichere Steine


3.2.2 Das Entwickeln einer Idee
Der A. soll lernen, wie man eine Idee für ein anzufertigendes Kunstwerk entwickeln kann. Ausgangspunkt kann ein bestimmter Stein sein, eine Vorstellung im Kopf, aber auch ein bereits bestehendes Objekt (Zeichnung oder Modell). Er sollte einen freien Geist haben, um jede Inspiration aus der Natur, Technologie, Kultur, dem Wetter oder von Geschichten aufzunehmen. Fast alles kann für den Künstler inspirierend sein, abhängig von seiner Stimmung und seinen Interessen. Die beste Skulptur entsteht aus einem freien Geist.

3.2.3 Prüfen der Umsetzbarkeit
Der A. soll einschätzen lernen, ob sich eine theoretische Idee in Stein umsetzen läßt und dass dies in Abhängigkeit steht zu den zur Verfügung stehenden Steinen, den Werkzeugen sowie den jeweiligen Fähigkeiten (Stein als Werkmaterial im Gegensatz zu Holz, Malerei …).

3.2.4 Gesteinswahl
In ihrer Materialität können Steine sehr verschieden sein. Der Künstler sollte auch bedenken, dass einige Steinsorten den Wetterbedingungen in anderen Teilen der Welt nicht standhalten. Somit muss er berücksichtigen, ob die Skulptur innen oder außen platziert wird. Zum Beispiel können einige weiche Opale in Europa nicht lange draußen stehen. Man unterscheidet  u. a.:

hart | weich       
grobkörnig | feinkörnig   
dicht | porig
bunt | monochrom
gemasert | homogen
viel Eigenleben | wenig Eigenleben
Oberflächenstruktur  | Oberflächenglätte
natürlich | bearbeitet
polierfähig/glänzend | nicht polierfähig/matt

Der A. soll diese Merkmale kennen und einschätzen lernen. Dies sowohl in ihrer technisch-handwerklichen Dimension als auch in ihrer Auswirkung auf die Gestaltung.
    Es besteht ein innerer Zusammenhang zwischen der Idee und der Gesteinswahl. Diesen soll der A. erspüren und gestalterisch begründen können.

3.2.5 Vorgehensweise
3.2.5.1 Technisch
Der A. soll in die Lage versetzt werden, die Idee handwerklich technisch in Stein umzusetzen.
    Das erfordert Übung in der Steinbearbeitung und intensive Kenntnis der Steinmaterialität.
    Er muß jedes einzelne Werkzeug (verschiedene Hammer, Eisen, Schleifzeuge …) kennen, beherrschen und um ihre jeweilige Einsatzmöglichkeit wissen.
    Er muß Steine in ihrer Materialität kennen und technisch beherrschen können. Gleiches gilt für eingesetzte Maschinen.

3.2.5.2 Gestalterisch
Der Bildhauer bewegt sich von außen an die Skulptur heran und arbeitet vom Groben ins Feine. Es gilt dabei, zunächst Grobstrukturen anzulegen, um diese dann nach und nach zu verfeinern. Diese Herangehensweise soll der A. lernen, üben und verinnerlichen.

3.2.6 Präsentation
Zur guten künstlerischen Arbeit gehört wesentlich die angemessene Präsentation. Dies gilt sowohl in technischer (Standfestigkeit), künstlerischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht.
    Der A. soll lernen, seine fertiggestellten Objekte so zu präsentieren, dass sie dem interessierten Zuschauer sicher und ansprechend gezeigt werden können.
    Stichworte für Präsentationstechniken sind: Ort der Präsentation, Umfeld, Einzelobjekt/Reihe von Objekten, Hintergründe, Beschriftung, Künstlername, Datum, Gemeinschaftsausstellung/Einzelausstellung

3.2.7 Vermarktung
Letztlich mitentscheidend für die Zukunft der Bildhauerei ist auch die Frage der Vermarktung. Nur wenn es gelingt, existierende Vertriebswege der Kunst zu halten sowie neue zu erschließen, werden nachwachsende junge Bildhauer ihr Leben damit bestreiten können.

Zu besprechende Fragen in diesem Zusammenhang wären  u. a.:

  • Wer kauft aktuell die Kunst des Lehrmeisters bzw anderer Bildhauer?
  • Wer könnte als weitere Käufergruppe in Frage kommen?
  • Wie kann ich solche neuen Märkte erschließen?
  • Wie erhalte ich Kontakt zu Galeristen?
  • Wie kann ich mich Galeristen vorstellen und präsentieren?
  • Einzelauftritte oder Gruppenauftritt?
  • Welche Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, bestehen (Ausstellungen,
  • Ansprachen, Fotos, Flyer, Internet …)?
  • Wo könnten meine Objekte am besten platziert und präsentiert werden?
  • Wird meine Skulptur akzeptiert oder entstehen kulturelle Probleme, beispielsweise durch nackte Torsos?

3.3 Kunstgeschichte und künstlerische Einordnung

Das Wissen um Traditionen und das Schaffen anderer Bildhauer in aller Welt ist wesentliche Basis für die je eigene Fortentwicklung. Gerade im Kennenlernen der anderen künstlerischen Richtungen kann sich die eigene Arbeit neu finden und der Bildhauer in neue Dimensionen aufbrechen. Dies ist besonders für die angehenden Bildhauer und für die Zukunft der Bildhauerei Simbabwes sehr wichtig.

3.3.1 Tradition der Bildhauerei Simbabwes
Jede Bildhauerschule unterliegt einer bestimmten Tradition. Der A. soll die Basis und Wurzeln der Bildhauerei Simbabwes, insbesondere die Shona-Kunst kennen und einordnen können.
    Er soll die verschiedenen künstlerischen Zentren Simbabwes benennen können wie auch die dort vertretenen Kunstrichtungen und deren wichtige Künstler.
    Darüberhinaus soll er seinen eigenen Lehrmeister im Rahmen der ortsansässigen Kunst und Kunstszene beschreiben und einordnen können.

3.3.2 Kunst in Afrika
Dem A. soll, sofern möglich, ein Eindruck weiterer künstlerischer Tätigkeiten (Malerei, Holzbildhauerei …) Afrikas ( z. B. Tanzania, Südafrika, Nordafrika) vermittelt werden.

3.3.3 Westliche, östliche Bildhauerei
Europäische und fernöstliche Bildhauerei verfügt über eine jahrtausendealte Tradition. Es wäre wünschenswert, wenn der A. Vorstellungen davon gewinnen könnte, was andere Kulturen in der Geschichte und heute bildhauerisch geschaffen haben.

3.4 Gestaltung

Während die technische Fertigkeit die Voraussetzung für bildhauerische Tätigkeit bildet, ist die künstlerisch-gestalterische Kraft des Bildhauers seine eigentliche Qualität.
    Erst Ausdrucksstärke, Zusammenwirken gestalterischer Elemente und künstlerische Idee erheben ein Objekt zur Kunst. Aus diesem Grund muss das Fach »Gestaltung« in der Ausbildung zentral verankert sein.

3.4.1 Zeichnen und Malerei
Der A. sollte angehalten werden, zu zeichnen und zu malen. Dabei sollten neben Entwurfsskizzen auch Objekte des täglichen Lebens (Landschaft,Architektur, Aktzeichnen (?), Portrait, Stilleben) gezeichnet und gemalt werden.

3.4.2 Relief
Den Sprung von der Malerei in die Bildhauerei bildet das Relief. Man unterscheidet zwischen Flach- und Hochreliefs.
    Der A. sollte verschiedene Reliefs zur Übung und als Objekt gefertigt haben.

3.4.3 Vollplastiken
Die Bildhauer Simbabwes stellen fast ausschließlich dreidimensionale Objekte her. Aus diesem Grund ist hierauf das Hauptaugenmerk der Ausbildung zu richten.
    Der A. soll lernen, dass dreidimensionale Objekte immer auf Rundumsicht gearbeitet sein müssen. Dennoch gibt es in der Regel eine Schauseite.
    Der A. soll zwischen Untersicht, Ansicht und Draufsicht unterscheiden können.

3.4.4 Gestaltungskriterien
Kunst und Gestaltung sind in keiner Weise beliebig. Immer läßt sich begründen, warum ein Objekt gut oder schlecht gestaltet ist.
    Der A. soll Gestaltungskriterien kennen und anwenden lernen, mit deren Hilfe er sachlich begründen kann, warum ein Objekt in dieser oder jener Weise erstellt worden ist.

Einfluss auf die Gestaltung haben neben der Idee
Form
Farbe
Oberfläche
Material

Im Wesentlichen sind es diese vier Parameter, die die Ästhetik eines Objekts bestimmen.
Der A. soll sich dieser vier Einflussfaktoren bewusst werden und sie künstlerisch einsetzen können. Er soll lernen, dass er durch Wahl von Form, Farbe, jeweiliger Oberfläche und (Gesteins-)Wahl seine Idee unterstützt oder schwächt. Ziel ist das Ineinandergreifen der vier Faktoren.So kann - je nach Wunsch - Harmonie oder Spannung entstehen.

3.4.5 Symbole
Ein wichtiges Mittel der künstlerischen Gestaltung bildet der Einsatz von Symbolen. Dabei handelt es sich um Zeichen, die für einen bestimmten Ausdruck stehen.
    Darüberhinaus gibt es archetypische Symbole, die von alters her allen Menschen bekannt und geläufig sind.Der A. soll solche Symbole Simbabwes (Afrikas) und auch archetypische Symbole kennen und einsetzen lernen.

3.4.6 Schriftgestaltung
Der A. soll verschiedene Schrifttypen kennen, sie zeichnen und in Stein umsetzen können.

3.5 Gesteinskunde

3.5.1 Gesteinsgattungen
Der A. soll die verschiedenen Gesteinsgattungen einschließlich ihrer Entstehungsgeschichte in Grundzügen kennen und benennen können. Desweiteren soll er beispielhaft Steinsorten der jeweiligen Gattung kennen.

Tiefengesteine, z. B. Granite
Umwandlungsgesteine, z. B. Marmor, Quarzit, Serpentinite
Ergußgesteine, z. B. Basalt
Ablagerungsgesteine, z. B. Sandsteine, Kalksteine

Die Gesteinsgattungen sind in ihrer Anmutung, Erscheinung sowie Bearbeitungsmöglichkeitsehr verschieden. Diese Unterschiede sollen dem A. bewußt sein.

3.5.2 Steine Simbabwes
Simbabwe verfügt über eine große Zahl verschiedener Gesteine,  z. B.:
Springstone | Lemon Opal
White Opal | Vidite
Lapido Lite | Cobold
Serpentine | Sobestone

Nach Abschluss seiner Ausbildung sollten dem A. diese Gesteine geläufig sein. Einige dieser Gesteine sollte er bereits mehrfach bearbeitet haben. Er sollte eine Vorstellung haben, in welchen Größen und Formen die jeweiligen Steine zu bekommen sind, wie man sie bearbeiten kann und wofür sie sich technisch und gestalterisch eignen.

3.6 Bearbeitungstechniken

Steine können je nach Art und Ziel gespalten, gehauen, geritzt, gestockt, gespitzt, geschliffen, poliert … werden.
    Diese Techniken soll der A. kennengelernt und eingeübt haben. Jeder Bearbeitungstechnik soll er unmittelbar das entsprechende Werkzeug zuordnen und dies auch fachgerecht einsetzen können.
    Ihm soll bewusst sein, bei welcher Gesteinsart er welche Oberflächenbearbeitungen einsetzen kann. Das gilt sowohl für manuelle als auch für maschinelle Bearbeitung.
    Darüberhinaus soll der A. klare Vorstellung davon gewinnen, welchen Ausdruck die jeweiligen Oberflächenbearbeitungen unterstützen (natürlich, rustikal, stilvoll, erhaben, harmonisch, spannungsvoll, weich, hart, dunkel, hell, matt oder bunt …)

3.7 Werkzeugkunde

Der A. soll sämtliche zum Einsatz kommenden Werkzeuge und Maschinen kennen, benennen und bedienen können.
    Er soll ihre Einsatzmöglichkeit einschätzen können. Pflege und Wartung der technischen Hilfsmittel sollen ihm geläufig sein.

3.8 Hilfsstoffe

Der A. soll technische Hilfsstoffe wie Klebemittel, Schleifzeuge, Poliermittel kennengelernt haben. Er soll sie fachgerecht einsetzen können und um ihre Wirkung wissen.
    Er soll aber auch über Problematiken von Hilfsstoffen aufgeklärt werden (Gesundheitsgefährdungen bei der Verarbeitung, Wirkzeit und Begrenztheit von Poliermitteln …)

3.9 Sicherheit und Gesundheitsschutz

Neben den Hilfsstoffen können auch die Steine gesundheitsgefährdend sein. Das gilt insbesondere für die Staubentwicklung bei der Bearbeitung.
    Der A. soll um diese Gefährdung wissen und lernen, Hilfsmittel wie Staubmasken bei der Arbeit anzuwenden.
    Beim Einsatz von Maschinen kommt es häufig zu starker Geräuschbelastung, die auf Dauer zu Hörschäden führen können. Hier gilt es, Ohrenschützer einzusetzen.
    Bei den Hilfsmitteln soll der A. lernen, grundsätzlich vor dem Einsatz die Verarbeitungshinweise zu lesen und diese auch bei der Tätigkeit zu beachten.
    Der notwendige Gebrauch von Handschuhen, Staubmasken, Sicherheitsschuhen, Helmen sowie fester Kleidung soll dem A. bewusst sein.
    Für jede Skulptur sollte der A. eine sichere Basis schaffen, die das Gewicht des Steins halten kann, um Schäden an Personen oder dem Eigentum zu vermeiden.

3.10 Umweltschutz

Insbesondere Hilfsstoffe der Steinbearbeitung können die Umwelt stark belasten.
    Der A. soll darüber informiert sein, sich mit Entsorgungsmöglichkeiten auskennen und dies in seine tägliche Arbeit selbstverständlich einbinden.